
Ende September 2026 wurden vier weitere „Stolpersteine“ der Welser Öffentlichkeit übergeben. Die Stolpersteine sind ein Projekt des deutschen Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln, „Stolpersteinen“, soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des deutschen Faschismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die quadratischen Tafeln aus Messing mit abgerundeten Ecken und Kanten sind mit manuell geprägten Lettern beschriftet. Sie werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster oder den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen.

Mit dieser Gedenkaktion wird auf das schwere Schicksal von vier Welser NS-Opfern hingewiesen: ein rassisch Verfolgter, ermordet im Vernichtungslager Auschwitz, ein 12jähriger behinderter Junge, ermordet in der Tötungsanlage Hartheim und zwei Mitglieder der Widerstandsbewegung „Welser Gruppe“, die im KZ Mauthausen ermordet wurden.
Alois Smolka (1875-1943) stammte aus einer jüdischen Familie. Er ließ sich zu Beginn des Jahrhunderts katholisch taufen, um in der k.u.k. Armee eine Offiziers-Laufbahn beginnen zu können. Im Ersten Weltkrieg wurde er verwundet und dafür von der Armee ausgezeichnet. Als Kriegsinvalide betrieb Smolka mit seine Familie nach Kriegsende in Wels eine Gaststätte („Zum Kaiser Max“) samt Gemischtwarenhandlung. Im August 1943 wurde der 68jährige Smolka von der Gestapo seiner Wohnung geholt und über Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt, wo er im Oktober 1943 ermordet wurde.
Basilius „Vlasi“ Mladevov (1928-1941) war der Sohn des Besitzers der Welser Apotheke „Zum goldenen Einhorn“ am Welser Stadtplatz. Der seit Geburt behinderte Vlasi wurde als 11jähriger im November 1939 in die Anstalt „Martinsstift“ des Evangelischen Diakoniewerks nach Gallneukirchen zur Pflege überstellt. Von dort wurde das Kind im Jänner 1941 abgeholt und in die Tötungsanlage Hartheim bei Alkoven verschleppt, wo es noch am selben Tag mit Giftgas ermordet wurde.

Karl Scharrer (1905-1944) war Kraftfahrer bei der Welser Firma Doppler Mineralöle GmbH. Der Kommunist war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er war ein aktives Mitglied des Welser Fußballklubs „Herta“. Schon im Juli 1928 wurde Scharrer bei einer Aktion gegen die erstarkende Nazi-Bewegung erstmals verhaftet.
Ab 1942 bildete Karl Scharrer zusammen mit den Welsern Hermann Höllermann, Karl Mischka und Ludwig Hartl die Spitze der illegalen Landesleitung der KPÖ Oberösterreich (damals Oberdonau), nachdem die KP-Führung zuvor aus konspirativen Gründen von Linz nach Wels verlegt worden war. Aus der KPÖ-Landesleitung entwickelte sich in den nächsten Jahren die sogenannte „Welser Gruppe“, die größte Widerstandsbewegung gegen den deutschen Faschismus in Oberösterreich.

1944 schloss sich auch Willibald Zelger der „Welser Gruppe“ an. Willi Zelger (1907-1945) wurde in London geboren und war durch seine Geburt britischer Staatsbürger. Er ging in London zur Schule und sprach fließend Englisch. Er war musisch begabt und erlernte das Geigenspiel. Er erlernte schließlich den Beruf des Elektrikers im städtischen „Elektrizitäts-Werk Wels“.
Die „Welser Gruppe“ war in den Gemeinden Ebensee, Gmunden, Gschwandt, Laakirchen, Lambach, Linz, Stadl-Paura, Steyr, und Wels verankert. Die „Welser Gruppe“ hatte gute Verbindungen zu den wichtigsten gesellschaftlichen Organisationen, vor allem zu Sportvereinen, wo zahlreiche Angehörige der Gruppe auch als Funktionäre tätig waren. Aber auch Natur- und Wandergruppen sowie die unter NS-Kontrolle weiter bestehenden Konsumvereine wurden als gesellschaftliche Plattformen von den Antifaschisten genutzt.
Die antifaschistische Arbeit erstreckte sich damals vom Sammeln und Austauschen von Informationen über den Kriegsverlauf oder Verbrechen der Nazis, über das Herstellen und Verteilen von Flugschriften und Zeitungen, das Sammeln von Geld für Opfer, das Verstecken oder die aktive Hilfe bei der Flucht von Verfolgten bis hin zur Organisierung von Sabotage der Kriegswirtschaft.
Die Bezeichnung „Welser Gruppe“ stammt von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Aus der erhalten gebliebenen Gestapo-Planskizze vom September 1944 über den „Stand der illegalen Kommunistischen Partei Österreich, Gebiet Oberdonau“ geht hervor, dass 158 Männer und Frauen identifiziert und verhaftet wurden.
Karl Scharrer und Willi Zelger wurde am 7. September 1944 von der Gestapo verhaftet. Mit ihnen wurden weitere acht Welser Kommunistinnen und Kommunisten festgenommen. Noch am selben Tag wurden die Männer in das KZ Mauthausen verschleppt. Karl Scharrer starb an den Folgen bestialischer Folterungen im KZ Mauthausen am 14. September 1944.
Zelgers Verlobte, Anna Kalcher, war bei der Verhaftung bereits schwanger. Sie versuchte in der Folge unermüdlich, Kontakt zu ihrem Verlobten aufzunehmen, was jedoch immer wieder von Gestapo und SS verhindert wurde. Im Jänner 1945 gebar sie im siebten Schwangerschaftsmonat einen Sohn, der ebenfalls den Vornamen Willibald erhielt. In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 wurden die Mitglieder der „Welser Gruppe“, unter ihnen Willibald Zelger, auf direkten Befehl in der Gaskammer des KZ Mauthausen ermordet.
Die Gedenkrede beim Stolperstein für Widerstandskämpfer Willibald Zelger, „Welser Gruppe“, hielt sein Sohn Willi Kalcher, Landeskassier des KZ-Verband/VdA OÖ.
Bilder: KZ-Verband/VdA OÖ, Welser Initiative gegen Faschismus
Oktober 14, 2026
Oktober 14, 2026






