
Am Sonntag, 10. Mai 2026, 81 Jahre nach der Befreiung Österreichs vom Hitler-Faschismus, fand die Internationale Befreiungsfeier Mauthausen statt.
Der KZ-Verband/VdA Oberösterreich führte wieder die Gedenkkundgebung um 09:15 Uhr vor dem Einzug auf den Appellplatz bei der 2001 enthüllten Gedenktafel der 42 Widerstandskämpfer, die vom 28. auf 29. April 1945, wenige Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen, in der Gaskammer ermordet wurden, durch. Die Gedenktafel der 42 an der Klagemauer ist ein wichtiges Erinnerungssymbol für den unbeugsamen österreichischen politischen Widerstand gegen den deutschen Faschismus, für den Kampf um ein freies demokratisches Österreich. Für den Landesverband Oberösterreich der AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband/VdA OÖ) hielt der Landesvorsitzende Harald Grünn die Gedenkrede vor der Gedenktafel der 42, die am Ende des Berichts dokumentiert ist.

Ehrung der österreichischen Widerstandskämpfer bei der Gedenktafel der 42, 10.05.2026
Der Landesvorsitzende Harald Grünn bedankte sich in seiner Gedenkrede ausdrücklich für die Kranz- und Blumenniederlegungen bei der Gedenktafel der 42 durch die Botschaften von Russland und Belarus am Freitag, 8. Mai 2026.
Nachdem die Botschaften von Russland und Belarus von den offiziellen Befreiungsfeiern ausgeladen wurden, fanden bereits am Freitag 8. Mai 2026 durch große Delegationen der Russischen Botschaft und der Belarussischen Botschaft sowie deren Landsleuten unter Beteiligung des KZ-Verband/VdA Oberösterreich Kranz- und Blumenniederlegungen in der Gedenkstätte Mauthausen statt. Es wurden Ehrungen bei den Denkmälern im Sanitätslager/Russenlager, beim Denkmal für D.M. Karbyschew, beim Denkmal der UdSSR, Block 20 sowie zahlreichen weiteren Denkmälern und Gedenktafeln an der Klagemauer – auch bei der Gedenktafel der 42 Widerstandskämpfer des KZ-Verband/VdA Oberösterreich – durchgeführt.

Großer Delegationszug der Botschaften Russlands und Belarus am Weg zum Sanitätslager/Russenlager, 08.05.2026

Kranz- und Blumenniederlegung beim Denkmal der Republik Österreich für die sowjetischen Opfer im Sanitätslager/Russenlager, 08.05.2026

Kranz- und Blumenniederlegung für die sowjetischen Helden und Opfer, 08.05.2026

Russische Botschaft ehrt die österreichischen Widerstandskämpfer bei der Gedenktafel der 42 des KZ-Verband/VdA OÖ, 08.05.2026

Belarussische Botschaft ehrt die österreichischen Widerstandskämpfer bei der Gedenktafel der 42 des KZ-Verband/VdA OÖ, 08.05.2026

Gemeinsames Gruppenfoto, 08.05.2026
Der KZ-Verband/VdA Oberösterreich legte im Anschluss an die Gedenkkundgebung bei der 42er-Tafel an der benachbarten Gedenktafel für die sowjetischen Opfer von Belarus einen Kranz nieder.

Ehrung bei der Gedenktafel für die Opfer von Belarus (UdSSR), 10.05.2026
Fortgesetzt wurden die Ehrungen mit einigen Kranzniederlegungen im Denkmalpark. Auf Einladung des KZ-Verband/VdA Oberösterreich fanden gemeinsame Kranzniederlegungen mit dem Koordinationsrat der Organisation russischer Landsleute statt. Die gemeinsamen Kranzniederlegungen begannen beim Denkmal für General D. M. Karbyschew vor dem Lagertor und fanden ihre Fortsetzung bei der Gedenktafel für General D. M. Karbyschew an der Klagemauer. Anschließend fand eine gemeinsame Kranzniederlegung beim Denkmal der UdSSR statt.

Gemeinsame Ehrung beim Denkmal für den Helden der Sowjetunion, D.M. Karbyschew, 10.05.2026

Gruppenfoto nach der gemeinsamen Kranzniederlegung beim Denkmal der UdSSR, 10.05.2026
Weitere Ehrungen wurden noch beim Denkmal für die griechischen Opfer, dem Denkmal für die italienischen Opfer und beim Denkmal für die Republikanischen Spanier durchgeführt.
Um 11 Uhr begann die Hauptkundgebung am Appellplatz. Die nationalen wie internationalen Delegationen zogen wieder durch das Lagertor auf den Appellplatz ein. Der Zug der österreichischen Jugenddelegationen, der von den Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen Oberösterreich und dem KZ-Verband/VdA OÖ auch heuer wieder unterstützt wurde, zog traditionell als letzter Block auf den Appellplatz und ehrte die Opfer des Faschismus.
Nach dem Ende der Hauptkundgebung am Appellplatz fanden noch zwei weitere Gedenkkundgebungen von Jugendorganisationen (SJ, KJÖ, JF, KSV) bei den Gedenktafel für SAJ und KJV an der Klagemauer sowie beim Denkmal der UdSSR (JF, KJÖ, KSV) statt.
Erfreulich war die hohe Zahl junger Menschen, die sowohl vom Ausland als auch insbesondere aus unserem Land teilnahmen und die Traditionen der Befreiungsfeiern von Mauthausen würdig fortsetzen.
Skandalös war allerdings die von der Moderation während der Befreiungsfeier getätigte Aussage „Neutralität schützt immer die Unterdrücker, nie die Unterdrückten“, was einen Frontalangriff auf die verfassungsmäßig geltende immerwährende Neutralität Österreichs darstellt.
Bereits am Vortag fand ein begleiteter Rundgang mit Stationen in der Gedenkstätte Gusen und der Gedenkstätte Mauthausen mit dem inhaltliche Schwerpunkt „Politischer Widerstand“ statt. In diesem Rahmen fanden Kranzniederlegungen im Krematorium Gusen und beim Denkmal der DDR in Mauthausen statt.
Dokumentiert: Gedenkrede des KZ-Verband/VdA OÖ bei der Gedenkkundgebung bei der Gedenktafel der 42 an der Klagemauer, 10.05.2026, 09:15 Uhr
Am 8. Mai 1945 kapitulierte der faschistische deutsche Generalstab bedingungslos vor den Alliierten, der aggressive deutsche Faschismus war besiegt. An diesem Sieg zur Befreiung der Völker vom faschistischen Joch hatte die Sowjetunion den größten Beitrag, die größten Opfer erbracht.
Auch in Österreich leisteten patriotische Frauen und Männer, aus den verschiedensten politischen Lagern kommend, mutig, unbeirrt und heroisch Widerstand gegen den Faschismus und gegen die deutsche Fremdherrschaft. Und wie auch anderswo standen auch in Österreich unter ihnen Kommunistinnen und Kommunisten an vorderster Stelle. Sie nahmen die größten Opfer auf sich, um jenen Beitrag zur Abschüttelung der deutschen Fremdherrschaft zu leisten, den die Moskauer Deklaration im Oktober 1943 vom österreichischen Volk einforderte.
Wir erinnern an die Ergebnisse und Erkenntnisse der Nürnberger Prozesse, die die engen Verstrickungen von Finanzkapital und der Nazi-Führung bewiesen. Die Profite wuchsen durch Krieg, Ausbeutung von Zwangsarbeitern, KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen, durch Massenmord, ins Unermessliche. Vergessen wir daher nicht, wessen Geschäft der Faschismus besorgt hat, denn Hitler war kein Betriebsunfall der Geschichte. Wie Georgi Dimitroff zusammenfasste, ist der Faschismus an der Macht „die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, der am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“.
Das Konzentrationslager Mauthausen war ein Lager der Kategorie III, für „schwer belastete, kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge“, zur Vernichtung der politischen Gegner des Faschismus. Die „Ermordung durch Arbeit“, vor allem im Steinbruch oder mittels brutaler wie gleichermaßen sinnloser Tätigkeiten wie „Steine schleppen“, stand im Vordergrund. Im Laufe der Zeit gewann die Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie immer mehr an Stellenwert.
Mauthausen war ein Lager vorwiegend politischer Häftlinge, der Aktenvermerk „Rückkehr unerwünscht“ bedeutete den Tod. Der Widerstand gegen den Faschismus machte auch nicht vor den KZ-Toren Mauthausens Halt. Die nationalen Häftlingsgruppen organisierten sich, im Laufe der Zeit bildete sich ein „Internationales Lagerkomitee“, welches seine Positionen im Lager immer stärker festigen und die Kriminellen aus vielen Häftlingsfunktionen verdrängen konnte. Bis Mai 1944 gab es in fast allen Blocks und Arbeitskommandos auch in den Außenlagern Widerstandsgruppen. Die österreichischen politischen Häftlinge spielten trotz ihrer Minorität dabei eine wichtige Rolle. Die militärische Widerstandsorganisation verfügte Ende 1944/Anfang 1945 bereits über zehn nationale Kampfgruppen.
Einen wesentlichen Anteil der Führungsarbeit im Internationalen Lagerkomitee und in den nationalen Häftlingsgruppen hatten die Kommunisten. Sie waren durch ihre Weltanschauung und ihre Parteitradition für den Lageralltag am besten geschult, am diszipliniertesten ausgerichtet und mit ausgeprägtem internationalistischen Bewusstsein ausgestattet.
Wir stehen hier vor unserer Gedenktafel für die 42 Widerstandskämpfer, davon 33 der Welser Gruppe, die in der Nacht von 28. auf 29. April 1945 auf direkten Befehl in der Gaskammer ermordet wurden.
Die Bezeichnung „Welser Gruppe“ stammt von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Aus der erhalten gebliebenen Gestapo-Planskizze vom September 1944 über den „Stand der illegalen Kommunistischen Partei Österreich, Gebiet Oberdonau“ geht hervor, dass 158 Männer und Frauen identifiziert und verhaftet werden konnten. Einige Widerstandsgruppen wurden allerdings nicht enttarnt. Diese Widerstandsorganisation war in den Gemeinden Ebensee, Gmunden, Gschwandt, Laakirchen, Lambach, Linz, Steyr, Stadl-Paura und Wels und in deren wichtigsten Betrieben wie der Linzer Schiffswerft, der Linzer Tabakfabrik, der Salz-Saline Ebensee, der Papierfabrik Steyrermühl, der Eisenbahn oder den Eisenwerken Linz verankert. Die Widerstandsorganisation umfasste zusätzlich zu den Kommunisten, die die führende Rolle innehatten, Menschen unterschiedlicher politischer Gesinnung wie Revolutionäre Sozialisten, Katholiken, ehemalige Anhänger der großdeutschen Bewegung und Angehörige des Heimatschutzes. Am 7. September 1944 begann die Verhaftungswelle. Die Frauen wurden in Linz inhaftiert, der Großteil der Männer wurde ins KZ Mauthausen eingeliefert, wo die Linzer Gestapo eine Nebenstelle errichtet hatte. Unter den Festgenommenen befanden sich exemplarisch genannt das Mitglied des ZK der KPÖ Sepp Teufl, Hermann und Risa Höllermann, Gisela Tschofenig-Taurer, Willi Zelger, Max Grüll, Franz Haselmeier oder Anton Chmelensky.
Diejenigen der Welser Gruppe, die die Torturen und Qualen in Mauthausen bis knapp vor Kriegsende in Mauthausen überlebten, wurden auf direkten Befehl einen Tag nach der Proklamation der Unabhängigkeitserklärung und Regierungsbildung von SPÖ, ÖVP und KPÖ vom 27. April 1945 in Wien, ermordet. Es sollten keine „aufbauwilligen Kräfte“ übrigbleiben. Nur einer, Richard Dietl aus Wels konnte durch Flucht und Unterstützung des Lagerwiderstands im Sanitätslager bis zur Befreiung überleben. Nach der Befreiung berichtete er vom Schicksal, von Tapferkeit und Leid der österreichischen Widerstandskämpfer. Der Mordbefehl wurde auch andernorts noch ausgeführt, so in Schörgenhub oder in Treffling.
Wir erinnern aber auch exemplarisch an Hermann Köhler, Mitglied des ZK der KPÖ, ermordet am 17. April 1945 und an Vater und Sohn Theodor Rakwetz, Kundschafter der Roten Armee, ermordet am 14. Oktober 1944 in Mauthausen.
Diese Gedenktafel der 42 an der Klagemauer ist ein wichtiges Erinnerungssymbol für den unbeugsamen österreichischen politischen Widerstand und ist uns Verpflichtung!
Wir gedenken stellvertretend für alle sowjetischen Kämpfer, die im KZ Mauthausen ihr Leben als treue Söhne ihrer sowjetischen Heimat im Kampf um die Befreiung vom Faschismus gaben:
des Helden der Sowjetunion, Generalleutnant der Roten Armee Dimitrij Michailowitsch Karbyschew
des Helden der Sowjetunion, Oberst der Garde Anatoli Nikolajewitsch Koblikow
des Helden der Sowjetunion Oberstleutnant der Garde Nikolaj Iwanowitsch Wlassow.
Auch 2026 sind nun wiederholt offizielle Vertreter Russlands und Belorusslands von der Befreiungsfeier Mauthausen und den offiziellen Gedenkveranstaltungen ausgeschlossen. Die Russische Föderation, als Rechtsnachfolgerin der Sowjetunion, hat das Gedenken an den antifaschistischen Befreiungskampf, seiner Helden und Opfer und den Schutz seiner Gedenkstätten und Mahnmale immer sichergestellt. Beide Staaten mussten während des Überfalls Nazi-Deutschlands (1941-1945) unvorstellbare Opfer und Leiden erdulden, während österreichische Soldaten und Nazi-Schergen dort im Rahmen deutscher Kriegshandlungen zahlreiche Kriegs- und andere Verbrechen begingen. Ohne die Befreiung Wiens durch die Rote Armee hätte es keine Gründung der 2. Republik am 27. April 1945 durch SPÖ, ÖVP und KPÖ gegeben, ohne den opfervollen Kampf des sowjetischen Volkes keinen Sieg über die faschistische Barbarei.
Wir lehnen die Ausgrenzung Russlands und Belorusslands im Interesse der Kriegstreiberei scharf ab. Wir werden auch weiterhin gemeinsam der sowjetischen Helden – wie der Helden des Block 20, an Generalleutnant Karbschew oder an den zahlreichen Soldatenfriedhöfen der Roten Armee gedenken. Ich bedanke mich an dieser Stelle für die Ehrung durch die Diplomatischen Vertretungen Russlands und Belarus vom Freitag 8. Mai 2026 bei dieser Gedenktafel für unsere österreichischen Widerstandskämpfer, die ihre Leben im gemeinsamen Kampf gegen den Faschismus gaben. Dies zeigt von der Hochachtung, die unseren österreichischen Kämpfern gegen den Faschismus auch von Russland und Belarus entgegengebracht wird.
Verteidigen wir die historische Wahrheit, ehren wir die heldenhaften Kämpferinnen und Kämpfer gegen den Faschismus, erinnern wir uns Ihrer Überzeugung, Ihrer Unbeugsamkeit, Ihren Muts und Ihrer Taten und erweisen wir uns Ihrer würdig!
Ehre Ihrem Andenken!




